„Fürst Balthasar“ ist absolut sehenswert

„Fürst Balthasar“ ist absolut sehenswert
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Tiroler Festspiele Erl. Operettensommer auf der Festung Kufstein. Zwei Beispiele für das Kulturleben im Ferienland Kufstein. Seit Samstag residiert „Fürst Balthasar“.

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Nein. Musicals würde er nicht inszenieren. Die mag Markus Plattner nämlich nicht. Auf solche Herausforderungen wie dieses Experiment lasse er sich hingegen immer wieder gerne ein. Und Plattner sollte mit seinem Entschluss Recht behalten. Dieses „Kunstwerk“ aus Konzert, Theater, Rockoper und Show hat tatsächlich das bestimmte Etwas, um es im Stadtsaal Kufstein aufzuführen. „Eigentlich ist es eine große Show. Ganz nach dem Vorbild großer Rockbands. Auch die Rolling Stones oder Marilyn Manson arbeiten nach einem fixen Konzept. Man könnte es auch als Konzertabend für Rockfans und einen Abend für Freunde bildender Kunst bezeichnen“. Das Außergewöhnliche an „Fürst Balthasar“ sei, dass Musiker und Schauspieler gemeinsam auf der Bühne stehen würden und die Bühne fast schon mehr an eine Rauminstallation erinnere.

„Die Geschichte selbst war eigentlich sekundär“, befand der Theatermacher vor wenigen Wochen. Doch angesichts der tragischen Ereignisse mit 71 toten Menschen in einem Kühl-LKW auf der Ostautobahn, ist „Fürst Balthasar“ ein Abbild der aktuellen Zustände auf diesem Planeten, der von mehr als acht Milliarden Menschen bevölkert wird. Dieses Stück sei  besonders den Machern der größten österreichischen Boulevardzeitung  (deren Namen ich nicht nennen werde) zu empfehlen, die mit Pietätlosigkeit, Dreistigkeit und menschenverachtender Berichterstattung im wahrsten Sinne des Wortes sogar über Leichen gehen. Aber was tut man nicht alles für immer noch höhere Auflagezahlen eines Blattes, das mit einfachem Schreibstil leider Gottes eines der führenden Medien dieses Landes ist?

Ob Fürst Balthasar auch die Festung bewohnt hat?

Ob Fürst Balthasar auch die Festung bewohnt hat?

„Jeder Mensch ist ein Künstler“ (Markus Plattner zitiert Joseph Beuys)

Egal, ob Markus Plattner – der Schauspieler und Regisseur aus Schwaz – den „Todtentanz“ in Elbigenalp inszeniert, den Film „Wie im Himmel“ in eine Theaterversion für das Festspielhaus Erl umschreibt oder ein Projekt wie ‚Fürst Balthasar’ realisiert: Mit einer gewissen Besessenheit (die ihn ständig begleitet) motiviert Plattner die Leute auf der Bühne. „Sie müssen nur offen für Neues sein “, hilft der am Erlerberg lebende Schwazer dem Vorstellungsvermögen gelegentlich ein bisschen nach. „Dann springt der Funken aufs Publikum über“. Die Kufsteiner Inszenierung ist ebenso schräg wie die Bühne für rund 40 Mitwirkende der Aufführung. Mit „Zugabe! Zugabe!“-Rufen und minutenlangem Applaus von rund 600 Premierengästen hat der bühnenerfahrene Markus Plattner selbst nicht gerechnet und ihm sind wohl so wie vielen Zusehern Balthasar Ritzers‘ „Wo bist du denn, den man Vater nennt?“ heisse und kalte Schauer über den Rücken gelaufen.

Ideengeberin für die Bühnenfassung der Kurzgeschichte war Lenka Radecky. Weil die Leiterin der Kostümmanufaktur der Tiroler Festspiele Erl für einen Kostümauftrag mehr über den Leadsänger der Gruppe „Wildbach“ wissen wollte, las die gebürtige Schweizerin die Geschichte. Sie vernetzte Autor Rudi Schweinberger mit Erwin Thrainer, Ensemble-Mitglied der Passion Erl. „Bei ihm bist du richtig. Er kann eine Geschichte theaterfertig machen“. Bewegung in die Sache kam nach einem ersten Treffen der beiden. Bühnentauglich umgeschrieben habe das Ganze dann Drehbuchautor Klaus Reitberger. „Nun wird seit März fleißig geprobt“, berichten einige der Schauspieler bei meinem Probenbesuch. Vom Gemeindesaal Niederndorf sind Darsteller und Regie nach Kufstein übersiedelt, wo im Stadtsaal (Hotel Andreas Hofer) seit 3. August der Feinschliff erfolgt ist.

Die Zeit bis zur U(h)raufführung läuft.

Die Zeit bis zur U(h)raufführung läuft.

Die Bühne für „Fürst Balthasar“  ist auf 500  kg pro Quadratmeter für bewegende Personen berechnet

„Die Bühne ist von Holzbau Freisinger in Ebbs eigens für unser Stück angefertigt worden“, erklärt mir Namensgeber Balthasar Ritzer bei einer der finalen Proben in Kufstein. Auf der 180 m2 großen Bühne aus OSB-Platten stehen hauptsächlich begeisterte Laiendarsteller. Mit Sängerin Barbara Dorfer und Kabarettist Florian Adamski wirken auch zwei Profis mit. Balthasar Ritzers Gruppe „Wildbach“ und der musikalische Leiter Manuel Stix sorgen für den musikalischen Part. Um Bühnenbild und Kostüme kümmert sich Barbara Hölzl. „Am besten ist, ihr schaut es euch dann selbst an. Wir spielen übrigens insgesamt fünfmal“, betonten Markus Plattner und Balthasar Ritzer voller Vorfreude. Diese Empfehlung kann nach der Welturaufführung von „Fürst Balthasar“ nur weitergegeben werden.

Kufstein hat Einiges zu bieten. Bald kommt "Fürst Balthasar".

Kufstein hat Einiges zu bieten. Bald kommt „Fürst Balthasar“.

Wer das Stück nicht gesehen hat, kann in diesem Beitrag von Tirol-TV (bis 5:29 Minuten) ein paar Ausschnitte dieses mehr als sehenswerten Stücks stehen.