Von Zell nach Stockholm: So weit und doch so nah

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Wenn Mutter und Sohn per Skype Distanzen überwinden

Die älteste Tuxerin feiert am 14. November dieses Jahres ihren 95. Geburtstag. War sie viele Jahre lang nahezu jeden Tag mit ihrer Nachbarin Maria Gredler zu Fuß unterwegs, so lebt sie seit deren Tod 2010 in einer gemütlichen Wohnung im Alten- und Pflegeheim Zell am Ziller. „Mir geht’s gut“, sagt Anna Heim.

Mit dem Gehen „geht’s“ zwar nicht mehr ganz so gut wie noch vor einigen Jahren, aber die rüstige Dame macht für fast 100 Jahre dennoch einen erstaunlich fitten Eindruck. Wir müssen erst mal so ein gesegnetes Alter erreichen. Anna Heim ist nach wie vor sehr interessiert, liest Zeitung und sieht die Nachrichten im Fernsehen. Fast jede Woche kommt Sohn Stefan aus Innsbruck zu Besuch. „Ich hab schon auf dich gewartet und jetzt hol ich dir einen Kaffee“, spricht sie und verschwindet auch schon mit ihrem Rolator. Mit diesem macht sie auch schon mal kleinere Spaziergänge. „Schau Stefan, da ist dein Kaffee“, spricht sie, als sie nach kurzer Zeit wieder zur Tür hereinkommt. „Danke Mama. Ich hab inzwischen schon den Laptop eingeschaltet und nachgesehen, ob das Internet funktioniert“, antwortet der 60jährige. „Passt alles“. Und dann kann’s auch schon losgehen.

„Besuch“ aus Schweden

Immer wenn Sohn Stefan auf Besuch kommt, ist auch sein Bruder Siegfried (für Mutter und Bruder ist er der „Siegi“) mit von der Partie. Er lebt seit vielen Jahren in Stockholm, also nicht gerade um die Ecke. Dennoch nimmt er sich immer Zeit für seine Mama.

„Jetzt stellen wir die Verbindung her. Siegi wird sich gleich melden“. Kaum hat Stefan davon gesprochen, ist auch schon eine Stimme zu hören. Und tatsächlich, Siegfried Heim aus Stockholm spricht jetzt mit seiner Mama in Tirol. Im Dialekt natürlich, so als wäre er niemals aus Tux weggegangen. „Fesch bischt heit mehr, Mama“, sagt der 68-jährige. Genauso wie Anna Heim ihren Sohn im fernen Schweden sehen kann, sieht auch Siegfried Heim seine Mutter in ihrer kleinen Wohnung im Altenwohnheim Zell am Ziller.

„Mei, des skypen ischt echt bärig“, freut sie sich. Über kostenlose Videotelefonie sind die beiden, Mutter und Sohn, ständig in Kontakt. „Besonders schön ist es, wenn ich auch mit meiner Schwiegertochter und mit meinen Enkelkindern sprechen kann. Dass ich sie dabei auch noch sehen kann, ist sowieso Spitze“, spricht sie und glänzt dabei übers ganze Gesicht.

 

Zur Person: Im Jahr 1920 – zwei Jahre nach Ende des ersten Weltkriegs – geboren, ist Anna Heim in der „Unteren Brente“ aufgewachsen und lebte dort bis zum 10. Lebensjahr. Danach wohnte sie bei ihrer Mutter Juliana Muigg in der „Alten Stube“ in Lanersbach. Anna Heim arbeite in verschiedenen gastronomischen Betrieben wie beim Unterwirt in Lanersbach und beim Bad Hotel Kirchler in Hintertux. Ab Dezember 1944 war sie kriegsverpflichtet bei der Flughafenfeuerwehr Pocking in Bayern, und war dort  bis Kriegsende im Mai 1945. Ab 1953 bis zu ihrer Pensionierung 1980 war sie Schulwart in der Volksschule Tux.