So sieht gelebte Integration aus, liebe Damen und Herren im Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl. (C) Fam. Pertl

Wenn Integration verhindert werden soll

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Ohne Freiwillige ist die Integration von geflüchteten Menschen vollkommen unmöglich. Zum Dank dafür tritt die öffentliche Hand ihre Arbeit mit Füßen. So etwas nennt man mutwilliges Zerstören.

Integration heisst Begegnung ohne Berührungsängste. (C) Fam. Pertl

Integration heisst Begegnung ohne Berührungsängste. (C) Fam. Pertl

Wenn die Länder dieser Welt „vor Ort helfen“ sollen oder wollen, damit Menschen aus Syrien, Afghanistan oder anderen Ländern keinen Grund mehr für eine Flucht haben, dann müssen gleichzeitig Waffenlieferungen dorthin gestoppt werden. Auf der Stelle. Sonst ist die vorgeschlagene Hilfe ebenso nicht mehr als heisser Dampf, als Worthülsen der UNO.

Tausende Menschen warten nämlich österreichweit seit mehr als einem Jahr (und viele noch sehr viel länger) auf das Erstgespräch ihres Asylverfahrens. Außer Deutsch büffeln und die Zeit totschlagen dürfen sie nichts tun. Kommt dann eines Tages doch mal eine Antwort mit der Post, dann ist für sie oder ihn zumindest die lange Zeit der Ungewissheit vorbei.

Integration auf österreichisch: Undurchschaubar

Integration kennt weder Hautfarbe noch Religion. (C) Fam. Pertl

Integration kennt weder Hautfarbe noch Religion. (C) Fam. Pertl

Gleichzeitig wird anderen, die sich innerhalb weniger Monate mit und teils auch ohne Hilfe von Privaten in – kleinen wie größeren – Gemeinden schon recht gut eingelebt und auch ehrenamtliche Arbeiten übernommen haben, mit der Abschiebung gedroht. Obwohl sie wenige Wochen vorher medizinischen Checks unterzogen wurden, für die im Normalfall nur Menschen mit positivem Bescheid zugelassen werden. Da weiß A wohl nicht wirklich, was B gerade macht.
In den zuständigen Behörden verlangen Mitarbeiter Quittungen für – schwarze – Zahlungen von Asylwerbern an das Personal im ungarischen Erstaufnahmelager, obwohl dieses kein Hotel ist und von der österreichischen Registrierkassenpflicht ebenso weit entfernt ist, wie Madagaskar von der Ausrichtung eines Langlaufrennens.  In einem konkreten Fall ginge die Rückreise nach Ungarn. Obwohl man genau weiß, dass man sie dort nicht aufnehmen wird.
„Mei, das macht ja nix“ dürfte man sich in den Kanzleien – z. B. im Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl in Innsbruck, konkret die dort tätigen Beamten (die mehr an Tiefkühlschränke erinnern) – denken. Absurdes Detail am Rande: Beraten werden die betroffenen Menschen von einem Verein, der von der Republik Österreich finanziert wird. Hier wird also doppelgleisig gespielt. Gut, es geht ja „nur“ darum, Kinder aus dem laufenden Schulbetrieb wieder herauszunehmen (und keine Möglichkeit eines Abschiedes zu geben), geknüpfte Freundschaften von einem Tag auf den anderen wieder zu entknüpfen und ein normales Alltagsleben nicht mehr zuzulassen. Alles Strategie!
Integration heisst auch gegenseitiges Helfen. (c) Fam. Pertl

Integration heisst gegenseitiges Helfen. (c) Fam. Pertl

 

Ohne die vielen Helfer wäre Österreich bei der Erfüllung dieser – eigentlich staatlichen – Aufgaben heillos überfordert, und daher wird Verstaaatlichtes „heute immer mehr privatisiert“ (Zitat aus dem im Tatort aus Dresden von Sonntag Abend). Es macht nachdenklich, wenn all die Bemühungen mit Füßen getreten werden. Immer öfter entsteht der Eindruck, dass Integration mit allen Mitteln und auf Geheiß von obersten Stellen verhindert werden muß. „Nur“, um auch weiterhin die Steuerknüppel der Macht in der Hand zu haben.
Aber was wird zu jenem Zeitpunkt geschehen, wenn die Freiwilligen eines Tages genug haben und aufgrund der vielen Knüppel zwischen den Beinen ebenso entnervt aufgeben werden, wie die betroffenen Menschen in Asylheimen, kommunalen und privaten Wohnungen? Ob der Herr Innenminister und sein Mitarbeiterstab darüber schon eine Minute lang nachgedacht haben, darf genauso angezweifelt werden, wie das Übernehmen dieser vielfältigen Aufgaben durch das offizielle Österreich für den Fall der Fälle.
Integration ist international: Österreicher treffen auf Afgahnen, Iraker und viele andere. (c) Fam. Pertl

Integration ist international: Österreicher treffen auf Afgahnen, Iraker und viele andere. (c) Fam. Pertl

Es ist bedenklich, wenn sich 25 von 28 EU-Staaten bei der Aufteilung von geflüchteten Menschen zurücklehnen und so tun, als ginge sie das alles nichts an. Sie sprechen zwar von „Hilfe vor Ort“, profitieren aber gleichzeitig vom Krieg in Syrien, von Unruhen in Afghanistan, vom Terror im Irak. Von diesem Dampfplaudern haben all jene die Nase gestrichen voll, die sich um aktive Intergration von geflüchteten Menschen kümmern. Denn es muss ein Horror sein, im Unklaren gelassen zu werden … ob einem das Menschenrecht auf Asyl gewährt wird, man nach behördlich verordneter Untätigkeit über mehrere Monate vielleich doch einer Arbeit nachgehen oder im Fall von Jugendlichen eine Lehrstelle antreten darf oder ob ein negativer Bescheid ins Haus flattert und das ganze Spiel wieder von vorne losgeht. Wenn 5 Euro pro Stunde mal höchstens 40 Monatsstunden dem österreichichischen Innenminister als überbezahlt erscheinen, neigt man zu unstillbarem Erb….en. „Den Vogel abgeschossen“ hat aber der Präsident der Wirtschaftskammer, der Null (0,0) Euro pro Stunde vorschlägt. Ob er selbst für diesen Stundensatz auch nur einen einzigen Handstreich machen würde?
Man kann sich nur wünschen, dass dieses menschenunwürdige „Katz & Maus Spiel“ bald zu Ende ist. Denn solange Krieg für viele (westliche) Staaten ein profitables Geschäft bedeutet, ist die Hoffnung auf ein Ende dieses Umgangs mit Menschen wohl nur Utopie.